Fußbälle und andere Gemeinheiten

Liebe Leserschaft,

wie Ihr vielleicht wißt, verdiene ich mein täglich Brot mit dem Entwerfen von Klamotten aber hauptsächlich von Prints für Textilien in einer schnieken mittelständischen Firma.

Und diese Woche bekamen wir ein Thema, das mich mit jeder Faser meines Körpers durch und durch erfreut hat: Fußball!

Toll! Wie wärs mit Hämorrhoiden oder Fußpilz, klingt ja fast genau so.

Nur um mal eins klarzustellen: Ich mag weder Fußball noch seine Anhänger.

Fußballmotive GRUSEL KOTZ!!!

Da kann man leider nicht Stil vor Würg walten lassen, sondern muss sich ganz ins Kundenhirn eindenken können, was in diesem Fall mal wirklich eine Herausforderung war. Was sollte ich denn da drauf designen „Bier“ einen Kotzfleck, Schweißränder in der Farbe Schwitzegelb Pantone Nr. 16- 1608 TPX oder einfach nur „Gruuuuuunz Struuuuuunz???“

Hargh, das ganze für Jungs und Männer und ich betone, es geht hier nicht um Spassshirts sondern um WM 2010 Shirts.

Und wenn ihr denkt, das wäre so einfach, dann habt ihr Euch aber echt geschnitten.

Also gut, Kundenhirn an, Fußbälle müssen her, Sprache Englisch, und dann gehts aber schon los, das Wort FIFA darfste schon mal überhaupt nicht verwenden, beim Begriff „World Cup“ (Weltmeisterschaft) handelt es sich um eine eingetragene Marke, genauso wie bei „World Soccer“. Oh prima, dann lasse ich mir demnächst das Wort „Zefix“ schützen, wenn man sogar „Weltmeisterschaft“ schützen lassen kann.

Also, ein Minenfeld der Fußballterminologie.

Merkt man natürlich erst hinterher, wenn das Motiv schon komplett steht, also nochmal von vorn. Dann Achtung, Streifen: Herrn Adolf Dasslers Firma hat den Nerv besessen, sich Streifen schützen zu lassen. Ist ja nicht so, dass man so blöd wäre, drei Streifen nebeneinander zu setzen fürs eigenen Design, dass es da Probleme geben könnte, vor allem auf Sportklamotten, dürfte wohl klar sein, aber: zwei gleichbreite Streifen nebeneinander: Platzverweis, ebenfalls nicht drin. Nix derf ma, gar nix!

Dann wäre da noch das Muster auf einem Fußball, ebenfalls klar, dass man nicht unbedingt das Design des letzten WM-Balles irgendwo mit reinbastelt, ihr wißt schon, der Ball mit der Slipeinlagenoptik. Also, nimmt man den klassischen Fußball.

Dann die Sache mit den Länderwappen: geht auch nicht, da man für die Abbildung von Wappen eigentlich eine Genehmigung bräuchte. Also, abändern.

Meine Vorschläge: „Beinsteller“ und „Platzverweiser“ auf die Jungentrikots zu drucken fand mein Chef wiederum nicht witzig. Ich schon. Sehr WITZIG 0_o!

(Er ist Fußballfan)

Huah, 48 Stunden und zwei Grantelfalten im Gesicht später sehe ich die Sache langsam von der spannenden Seite, nämlich die Herausforderung des Erstellens von Prints nach dem Ausschlussverfahren. Bin ja mal gespannt, was da noch bei rauskommt. Wahrscheinlich doch „Bier“ mit Schweißrändern.

Aber echt etz, das ist alles nicht so einfach wies aussieht, wenn man so einen Print erstellt. Erstmal checken, ob die Schrift, die man gerne hätte, nicht nur für den „personal use“, sondern auch für den „commercial use“ freigegeben ist.

Dann, manchmal macht man es sich doch einfach und zieht ein Motiv von IStock. Bis vor kurzem. Nehmen wir mal an, ein einfaches Motiv, ein Schnörkel, kostet 5 Credits, also ca. 5 Dollar. Einfache Lizenz. Für unseren Bedarf leider nicht, habe mal nachgehakt, was das denn kosten würde, wenn man ein Motiv zieht, das anschließend auf bis zu 100.000 Shirts gedruckt wird, dann war der Preis plötzlich bei ca. 500 Credits und wir bedient. Also knicken.

Und, es gibt noch Trendbücher mit vorgefertigten Grafiken, aber wiederum Achtung, der Fehlerteufel schleicht sich auch da gerne ein, vor allem wenn die Bücher aus Italien kommen. Da haperts nämlich mit dem Englisch recht gerne. Mein Lieblingsbeispiel ist der lieblichst gestaltete Schriftzug „Extraordinary Sweaty“ was man auch mit zugedrückten Augen nur mit „außerordentlich verschwitzt“ übersetzen kann. Gemeint war wohl „sweet“, aber bitte, die denken halt auch an Designer, die Grafiken für Fußballshirts machen sollen, haha ;).

Und genau diesen Schriftzug habe ich mal im Conleys Katalog auf einem cremefarbenem Mädchenshirt gesehen, da wissen wir mal, wer mit diesem Shirt der Depp des Tages in der Schule war 😉

Also, ihr seht, dass das nicht so einfach ist. Bitte bedenkt bei Euren nächsten Streifzügen durch die Klamottenläden, dass sehr sehr viel Schweiss und Blut hinter den Motiven steckt. Manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Liebe gefertigt.

So, das Wort zum Mittwoch.

Es grüßt Euch die, die die Schweißränder designt.