Wortwörtliche Mißverständnisse und das Hintertürchen im Adventskalender

Hallo liebe Leser,

ich habe gerade wieder meinen Eintrag „Katzenschreck“ überflogen und musste bei dem Bild, das ich als Kind im Kopf hatte, als die Oma mit besorgter Miene meinte, dass die Katze Knoten bekäme, wenn man sie nicht bürstet, nochmal gscheit lachen. Ich spreche hier nicht von der erwachsenen Vorstellung von kleinen filzigen Knoten im Fell, sondern davon, dass die Katze selbst Knoten hätte, also wie ein Taschentuch oder ein Seil und mich gleichzeitig gefragt, ob sie vielleicht auch Schleifen bekommen könnte, weil das sieht doch viel schöner aus als so ein paar schnöde Knoten. Nun gut, jetzt bin ich erwachsen und Knoten sind nicht gleich Knoten und den Unterschied zwischen Swing und Swinger kenne ich nun auch. Aber ich kann mich noch ziemlich genau an die Mißverständnisse als kleines Frollein erinnern. Da habe ich mich nämlich mal gefragt, was denn der Meier bei uns auf dem Dach will, als mein Papa gesagt hat „Da steigt uns aber dann der Meier aufs Dach“ weil da ist ja nix los, ist halt hoch, aber ansonsten nix geboten. Aber wenn er meint, der Meier, dann soll er uns halt aufs Dach steigen.
Kurz darauf sind wir gleich noch höher hinaus, also nicht der Meier aufs Dach, sondern wir auf einen Berg hinauf. Familienausflug in die Berge. Die Vorankündigung, dass wir so hoch hinaufsteigen, dass wir in den Wolken wären (das hat meine Mama gesagt, gell) hat mich als Kind so fasziniert, dass ich schon fast bergauf gerannt bin, um mich dann oben, in den Wolken, gemütlich auf eine draufzusetzen und dann mit den Händen darauf herumzupatschen, weil was aussieht wie Watte, muss sich auch so anfühlen. Oben allerdings hat man gar nichts mehr gesehen, nur Nebel. Etwas mißgestimmt habe ich mich bei meinen Eltern danach erkundigt, wo denn jetzt die Wolken wären und sie meinten „Wir stehen mitten in einer drin“. Dieser ranzige Nebel sollte also eine Wolke sein. Jetzt echt! Mann war ich sauer, nix mit Wattepatschen und auf Wolken springen! Mein Gesicht war dann so lang wie der Abstieg, da konnte auch ein auftauchendes Murmeltier nichts mehr zu meiner kindlichen Belustigung beitragen. Ich fühlte mich gefoppt.
Und wenn wir schon mal bei der Kindheit sind, dann verrate ich Euch auch gleich meinen miesen Adventskalendertrick. Wenn Ihr Euren Kindern also mal eins auswischen wollt oder gerade keine Schokolade im Haus ist, der Adventskalender aber schon, dann folgt bitte meinen Anweisungen, aber verratet es nicht Eurer Mutter, denn die könnte Eure schokofinsteren Pläne durchkreuzen ;).
Denn dieses Wochenende kamen ja wieder Dinge ans Licht. Kindliche Kleinkriminalitäten quasi. Es fing ja ganz harmlos an mit einem Familienausflug übers Wochenende nach Krumau (da gibts keine hohen Berge mit nebligen Beschisswolken). Mit Sack und Pack und Eltern und Bruder und der Cousine samt Mann. Nach kübelweise Knoblauchsuppe und Bier wurden in einer urigen Kneipe die ollen Kamellen von früher ausgepackt. Was habe ich gelacht, hahaha, bis sie auf den Adventskalender zu sprechen kamen. Da hat mir mein schlechtes Gewissen gleich mal ins Bier gespuckt ;). Weil die Beteiligten an der kleinkindlichen Schurkenaktion von damals nämlich alle mit am Tisch saßen. Meine Mutter, meine Cousine und ich. Uiuiui, das ist mir ja jetzt noch peinlich, das war nämlich ganz schön gemein damals.
Die Freude eines kleinen Kindes in der Vorweihnachtszeit ist ja der Adventskalender mit Schokoladenfüllung. Ich mochte die Schokolade da drin so gerne, dass ich sie am liebsten sofort komplett rausgefräst hätte, aber dann wär ja die Freude die restlichen 23 Tage dahin. Aber als Kind ist man ja auch nicht blöd. Die Szenerie: Frollein Eve in klein mit ihren Eltern zu Besuch bei der Tante und dem Onkel mit der Cousine. Man muss dazu sagen, dass wir ungefähr im selben Alter, also auch Spielkameraden waren. Und es war Adventszeit und wir hatten an dem Tag beide einen Schokoladenadventskalender geschenkt bekommen, den ich den ganzen Abend über schon angegeiert hatte. An diesem Tag war ich auf meine Cousine stinkig, weil sie eine Lerche war (ein Frühzubettgeher), ich eine Eule (ein Spätzubettgeher) und ich mit ihr noch spielen, sie aber schlafen wollte. Das hat mich sehr erbost. Also habe ich mir mein Schurkenkostüm angezogen und bin in einem unbemerkten Moment in ihr Kinderzimmer geschlüpft. Da stand dann ihr Adventskalender. Noch voll. Noch, weil wer so früh ins Bett geht der ist ja selber schuld, wenn ihm die Schokolade weggefressen wird. Pah, habe ich mir gedacht. Aber da es natürlich strategisch ungünstig wäre, alle Türchen aufzureissen, um an die Schokolade zu kommen, hatte ich einen kindlichen Geistesblitz. Ich habe hinten in den Kalender ein kleines Loch gerissen und ihn so lange geschüttelt, bis Stück für Stück der Inhalt raus und in meinen Magen hineingefallen ist. 24 Stück später habe ich ihn wieder an die selbe Stelle hingestellt und er sah genauso aus wie vorher, war halt ein bisschen leichter. Vollgestopft mit Schokolade und mindestens 3 Meter größer vor Schurkenstolz bin ich in die Küche und wollte meine Mutter einweihen, weil bitteschön, soviel Kreativität und Schlauheit muss doch gelobt werden. Das Lob sah dann so aus, dass ich meiner Cousine meinen Adventskalender geben musste und ihren mitnehmen durfte. Gemein, nicht?!
Etwas mißmutig habe ich die folgenden 24 Tage bunte Bildchen hinter einer leeren Plastikform angeglotzt.
Das war jetzt nicht so schön. Hätte ich doch bloß nicht gepetzt.
Naja, aber jetzt bin ich halt schon groß, kann mir meinen eigenen Adventskalender kaufen, oder meinetwegen auch 24, für jeden Tag einen, weiß, dass Katzen keine richtigen Knoten bekommen, dass niemand uns jemals aufs Dach gestiegen ist und dass eine Wolke ohne mit der Wimper zu zucken sagen kann „Es ist nicht so, wie es aussieht, Schatz.“ ;).

Euch wünsche ich ein schönes Wochenende,
Euer Frollein Fresssack im Schurkenkostüm mit bunten Bildchen