Stürzstrumpfhosen

Meine lieben Damen, Balletttänzer und Robin Hood,

ich glaube, Ihr kennt das Problem. Heute wieder geschehen. Jetzt kommt ja der Winter, der liebliche Gesang der Laubbläser hat ihn ja schon angekündigt. Und mit dem Winter kommen auch wieder die Winterstrumpfhosen, die sind dicker als die Frühlings- und Herbststrumpfhosen. Und wurden schon lange nicht mehr getragen, war ja schön draußen. Heute habe ich mir eine davon aus dem Schrank gefischt und mich schon gewundert, warum sie so weit hinten war. Schöne Struktur, schöne Farbe, also anziehen, das Ding. Und ab damit in die Stadt. Und dann gings schon los. Nicht etwa schon daheim, nein, das wär ja langweilig. Dieses hinterlistige Beinkleid fängt natürlich erst auf dem halben Weg an plötzlich, ja plötzlich, immer weiter nach unten zu rutschen. Einfach so. Sehr schön, hab ich mich gefreut, ich hatte es nämlich auch noch eilig und beide Hände voll. Vielen Dank, Du textiles Miststück. Und was macht man da, auf der Hälfte der Strecke, mit vollen Händen und einer Strumpfhose auf halbmast? Richtig, man geht wie der Hulk! Pittoresk und absolut damenhaft, wie im Benimmbuch. Grün war sie ja auch noch. Passt schon mal. Also den Hulkwalk in die Stadt gemacht. Im Kopf die wüstesten Bilder, was man mit einer meuternden Strumpfhose so alles anstellen kann zur Strafe für unerlaubte Fluchtversuche in der Innenstadt. Irgendwann hatte ich die Hände wieder frei und mich auf den Rückweg gemacht. Diesmal nicht wie der Hulk, sondern wie jemand, der offensichtlich seine Strumpfhose festhält, damit sie nicht abhaut. Ebenfalls sehr pittoresk und damenhaft, aber dafür mit einem Gesichtsausdruck wie der Hulk. Daheim habe ich dann das mit der Strumpfhose gemacht, was auch der Hulk damit machen würde: fein säuberlich wieder in den Schrank gelegt. Ins hinterste Eck, damit man die Rutscherei wieder vergisst bis zum nächsten Anziehen. Und falls Ihr mal in der Innenstadt eine Frau mit grüner Strumpfhose und bösem Gesichtsausdruck seht, die läuft wie ein Sumoringer, dann bitte einfach nicht ansprechen von wegen „Jetzt weißt Du, warum sie nicht vorne im Schrank lag, was?“ und schon gar nicht „Haben wir wieder die Klamotten eine Nummer zu klein gekauft?“, gell. Sonst werd ich zum Hulk! Ha!

Euer Frollein mit dem textilen Goldfischgedächtnis, das jetzt noch mal ganz undamenhaft wie der Hulk in den Schrank hineinbrüllt