Schlagkräftige Argumente in Orange oder die Biene Maja schlägt wieder zu

Liebe Leser,
als Kind hat man es nicht leicht. Nicht nur, dass man für seinen Kindergartenarbeitstag früh aufstehen muss, nein, man hat auch keinerlei Einfluss auf die Mitfahrer, die man einfach auf den Rücksitz mit dazugepackt bekommt.
Das kann gut gehen, muss es aber nicht. In diesem Fall ging es nicht gut. Aber darüber war ich als Kind auch gar nicht mal so traurig. 
Los gings wohl damit, dass mir meine Mutter verkündete, dass ab morgen der Klaus und der Dieter (nee, hiessen natürlich nicht wirklich so, die wollen aber jetzt als Erwachsene wahrscheinlich auch nicht über ihre Niederlage der gescheiterten Fahrgemeinschaft vor über 30 Jahren lesen, daher die Decknamen Klaus und Dieter) in der Früh mit uns in den Kindergarten fahren. 
Ja Scheisse, hab ich mir gedacht. Ich konnte nämlich weder den Klaus noch den Dieter leiden und hielt sie für ziemliche Blödmänner. Noch dazu war ich ein Morgenmuffel und der Gedanke daran, mir mein Kindergartentaxi mit zwei Nervbatzen aus der anderen Kindergartengruppe teilen zu müssen, hat mein ohnehin schon dünnes Morgennervenkostüm hauchdünn werden lassen- Size Zero quasi.
Also hockten am nächsten Morgen links und rechts von mir zwei bleiche Buben, die ich am liebsten sofort wieder hätte aussteigen lassen und dementsprechen war meine Laune. Dazu kam noch, dass der Klaus ein Preiss war und mich jeden Morgen gefragt hat, im Nachhinein denke ich, war es wohl ein nett gemeinter Kommunikationsversuch, ob ich mir wieder eine „Brezel“ gekauft habe.
Das Laugengebäck war Teil meiner Kindergartenbrotzeitausstattung und hat immer wohlriechend aus meiner orangefarbenen Biene-Maja-Kindergartentasche herausgeduftet. Jetzt war das für mich Bayernkind allerdings keine „Brezel“, sondern eine „Brezen“, von daher dachte ich, der weissgesichtige Bube will mich verarschen und habe ihn jedesmal kräftig angeranzt.
Irgendwann wurde mir die hochdeutsch formulierte Frage nach meiner Brotzeit wohl zu dumm und mit Anranzen des Hellgesichtsbuben war es nicht mehr getan (als Kind erkennst Du den Wert einer noblen Blässe nicht an, da ist ein blasser Mensch einfach nur ein Kasjackl, wie man so schön sagt).  Ab da gab es jeden Morgen Rambazamba im Kindergartentransportobjekt. Zur Freude meiner Mutter, aber sie war recht hartnäckig. 
Als das Zwicken der Unerwünschten auch nix half, habe ich eines Tages dann mit Schwung, Spucke und Hilfe meiner Biene-Maja-Kindergartentasche die Frage, ob  ich mir heute wieder eine preussisch formuliertes Laugengebäck gekauft hätte, durch einen gezielten Schlag auf den kasigen Mitfahrerkopf  beantwortet, was dann die vor dem Kindergartentor versammelte Mutternschaft wiederum dazu bewogen hat, die Idee der Fahrgemeinschaft zu überdenken und letztendlich dann zu verwerfen. Na endlich. 
Ab dann war wieder Ruhe im Auto, meine Biene-Maja-Tasche, meine Brezen und ich zufrieden und meine Mutter hat die Idee, mir unerwünschte Kindskameraden morgens ins Auto zu setzen nicht mehr aufgegriffen.
Einen schönen Montag wünscht Euch Euer Frollein Schlagfertig, dem Ihr lieber nicht mit preussischen Gebäckformulierung kommen solltet