Katersommer

wäre ja eigentlich ein schöner Buchtitel, nicht, liebe Leser? 😉
Ich hatte Euch ja schon geschrieben, dass ich adoptiert wurde. Vom Hinterhofkater. Zu meinem Entsetzen war er ein paar Tage später einfach weg. Weg! Uah! Nichts war mehr wie vorher, der Innenhof erschien grau und kalt, kein Busch hat mehr miaut, keine nächtlichen Jagden mehr mit der geringelten roten anderen Katze zu meinem Amusement (die geringelte rote Katze ist nämlich sehr schnell, während mein Hinterhofkater immer wendig wie ein Mississippidampfer schaukelnd hinterhergaloppiert) und kein Geschnurre und Kopfgereibe mehr. Und während ich „I will survive“-jaulend in den Hinterhof hineinspähte, nachdem das Katerkissen, das ich ihm extra hingelegt hatte seit Tagen unbeschnurrt war, war er auf einmal wieder da. Im Hinterhof. Hurra! Ich weiß nicht, wo er war, aber er hatte eine ziemliche Wampe. Ich schätze mal, seine Eltern haben ihn zu ein paar Tagen Hausarrest verdonnert, weil der alte Rennbesen wohl nur noch zum Fressen daheim war. Aber da Katzenfreaks ja wissen, dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, einen Freigänger zu überreden, mal ein paar Tage zu Hause zu bleiben, wird das Projekt Hausarrest wohl auf Eis gelegt worden sein. Seitdem haben wir da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten, nur dass man sich eben mit der Zeit auch besser kennenlernt.
Und wie es bei alten Ehepaaren so der Fall ist, entdeckt man die eine oder andere Macke am Anderen.
Aus Katersicht wohl „Lässt die mich nie in Ruhe, dauernd muss ich mich kraulen lassen, uah.“ Zum Fressen gibts nämlich nix, weil er ja jemandem gehört.
Z. B. wasche ich mir jedes Mal nach unserem Sit-In auf dem Katerkissen die Hände. Klar, ich weiß ja nicht, wo er sonst noch rumlungert. Mir ist aufgefallen, dass er wiederum jedes Mal nach unserem Sit-In auf dem Katerkissen anfängt, sich den Kopf zu putzen (er bevorzugt Streicheleinheiten auf seinem Katerkopf, mit dem Rücken hat er nicht viel am Hut). Klar, er weiß ja nicht, wo ich sonst noch so herumlungere.
Spätabends, wenn es schon dunkel wird, wird der haarige Herr immer leicht nervös. Heißt, er wedelt immer mit dem Schwanz wenn er auf meinem Schoß sitzt und hält seinen Katerkopf schön aufmerksam hoch, denn es kann ja sein, dass jederzeit der rote Ringelkater wieder ins sein Revier gepirscht kommt. Dann ist nämlich Schluß mit Schmusekurs. Das merkt man daran, dass er anfängt, zu knurren. Normalerweise, wenn er keinen Bock mehr auf Streicheln hat, haut er einfach ab. In seiner Abendstunde bleibt er allerdings sitzen und knurrt. Klar reizt es mich, meine Grenzen auszutesten, weil ich ja weiß, dass er kein grober Lackl ist, der plötzlich haut oder beißt. Neues Spiel: Abendstunde, nervöser Kater auf dem Schoß, der keinen Bock mehr auf Kraulen hat, aber auch nicht abhaut. Kopfkraulen, Knurren, Kopfkraulen, Knurren, Kopfkraulen, Knurren, Kopfkraulen, Fauchen. Und dann abhauen. Aha.
Gestern habe ich ihn im Gegenwart einer braunen Ringelkatze in seinem Hinterhofrevier gewagt, zu streicheln. Das hatte in etwa was von „eine Mama bringt ihr Kind zur Schule und gibt ihm vor den Schulkameraden noch einen fetten Kuss auf den Kindskopf“. Empörter Hinterhofkaterblick und wortloses Abzischen einen halben Meter weiter. Ich bin natürlich nach und habe ihn nochmal gestreichelt. Daraufhin Gefauche (Mann, Mama, jetzt geh weg, das ist peinlich). Haha.
So läuft das also hier im Hinterhof. Da meint man es gut, bringt dem undankbaren Balg noch seinen Turnbeutel und wird dafür angefaucht. Also wirklich, man hat es nicht leicht als katzenadoptierter Mensch. 😉

Ich geh jetzt wieder nach unten, weitere Macken entdecken.

Euer Frollein Adoptivkatzenmama, das dem Katzenkind machmal schon peinlich ist 😉

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