In meiner Badewanne bin ich Kapitän

…dachte ich zumindest. Oder war ich zumindest mal. Mittlerweile bin ich der Smutje, der genau so viel Zeit hat, sich z.B. eine Mandarine abzuschälen und sie gerade noch zu essen. Was dann passiert?
Kapitän Spitzohr, der das Regiment an sich gerissen hat, hat von nun an das Kommando, wenn es darum geht, wann die Ratten das sinkende Badewannenschiff verlassen sollen. Und das dauert in der Regel so lange, bis man sich z.B. eine Mandarine abgeschält hat und sie gerade noch essen kann. Oder ungefähr acht Seiten in einem Buch zu lesen, was man halt so in der Badewanne macht. Denn dann fängt mein spitzohriger Mitbewohner an, jämmerlich zu miauen und an der Haustüre zu kratzen, weil er genau jetzt rauswill. Und jetzt ist nicht erst in einer halben Stunde, zwei Mandarinen oder 60 Seiten später, nein, jetzt ist jetzt. Falls ich der kratzbürstigen Bitte nicht nachkomme und mich weiterhin im warmen Wasser suhle, kommt der kratzbürstige Bittsteller. Und zwar ruckartig mit seinen Vorderpfoten auf den Badewannenrand hoch und schaut mich mit tellergroßen Augen an. Dann ins Wasser, dann wieder mich an. Mit der allergrößten Verständnislosigkeit.
Ich sollte vielleicht dazusagen, dass er normalerweise, auch wenn er einen Wassernapf in der Küche stehen hat, aus der Badewanne trinkt. Aus der leeren, ohne mich drin. Dann ist er drin und ich dreh den Wasserhahn auf und er trinkt. Da kommt es ihm natürlich komisch vor, warum ich jetzt in seinem Wassernapf sitze und blöd rausschaue, Mandarinen esse oder sogar lese. Das wär ja noch schöner. Erst sitz ich in seinem Wassernapf und wenn er mir das durchgehen lässt, dann dauerts nicht lange und ich spiele Schlammcatchen mit seinem Sheba.
Da fangen wir gar nicht erst an damit, denkt sich der bepelzte Wannenneidhammel, läuft zur Tür und kratzt und miaut. Ganz jämmerlich. Und weil der Badespaß mit dieser Hintergrundmusik kein wirklicher Spaß ist, gibt die Klügere eben nach, entsteigt dem Wannenbad, zieht sich an, um die schnurrhaarige Krawallschachtel rauszulassen und was macht die pelzige Miesmuschel? Läuft schnell ins Wohnzimmer, schmeißt sich auf den Rücken und blinzelt mich unschuldig an.
Da ist nix mehr mit „ich will jetzt raus“ und zackizacki. Er rollt sich hin er rollt sich her, macht die Augen zu und schläft den Schlaf der Zufriedenen. Und mich frierts. Aber wenn man mal draußen ist aus der Badewanne mag man nicht wieder rein. Also hole ich mir Mandarinen und Buch auf die Couch und da darf ich dann in aller Ruhe lesen. Hab ich ein Glück ;).

Euer Frollein Warmalkapitän, das dem pelzigen Mitbewohner aber auch nichts nachtragen kann 😉