Auswahlverfahren im Sportunterricht

Heute kommt ein eher nachdenklicher Eintrag, liebe Leser.

Habe gerade beim Kaffeetrinken meine Gedanken schweifen lassen und bin irgendwie im Schulsportunterricht, bei Mannschaftsspielen und dem dazugehörigen Auswahlverfahren gelandet. Kennt Ihr das noch? Es wurden zwei Mannschaftskapitäne gewählt, der Rest der Klasse durfte sich in einer Reihe aufstellen und die beiden Mannschaftskapitäne haben sich abwechselnd ihre Mannschaftsmitglieder ausgesucht. Als Kind fand ich das ganz witzig, war ich doch eines der Kids, die immer ganz schnell aufgerufen wurden, aber jetzt, so ein paar Jahre später muss ich sagen, dass ich dieses Verfahren pädagogisch ganz schön Scheiße finde.

Es war ja immer dasselbe, die sportlichen Kinder wurden immer ganz schnell aufgerufen, und die weniger sportlichen, langsamen Kids standen da wie die Deppen und konnten dabei zusehen, wie sich die Reihe lichtete und sie immer noch keiner haben wollte. Ganz mies für das Selbstbewusstsein heranwachsender späterer Erwachsener. Es muss doch echt ein beschissenes Gefühl sein, wenn Du der- oder diejenige bist, der übrigbleibt und dann wohl oder übel in eine der beiden Mannschaften musst, es will Dich zwar keiner haben, aber mei, so sind nun mal die bekackten Regeln. Und diese Regeln sind wirklich bekackt. Ich weiß ja nicht, ob das heute noch so ist, ich hoffe doch nicht, aber geholfen ist doch dabei echt niemandem, vor allem nicht denjenigen, die glauben, dass sie Verlierer sind, nur weil sie keiner in der Brennballmannschaft haben will. Und ich glaube, so was sitzt tief in der heranwachsenden Seele, auch wenn es von außen gesehen doch „nur ein Spiel“ ist. Eigentlich sollte man den sogenannten Brennball dem verantwortlichen Pädagogen ans Hirn werfen, damit der mal über den Unsinn dieses Auswahlverfahrens nachdenkt und sich was anderes überlegt, ein Verfahren, das keinen bloßstellt. Aber wie gesagt, vielleicht ist das auch mittlerweile so. Würd ich gut finden. So, und jetzt wieder runter zum Kaffee.

 

Euch einen schönen Mittwoch,

Euer nachdenkliches Fräulein im Sinne der schnöden Unterrichtsmethoden

 

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