Frollein Eves ungeheimes Reisetagebuch der Sinne – New York New York Tag 1

Also sie meinten ja schon immer damals, dass, wenn ich so weitermache, ich mal in Teufels Küche landen würde. Und jetzt bin ich da. In Teufels Küche. Heisst echt so: Hells Kitchen, das ist ein Stadtteil von New York.

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Ich glaub, weil da die Hölle los ist. Und weil es so heiß ist. Also echt. Gestern, als wir aus dem Flughafen raus sind, dachte ich, es läuft jemand mit einem überdimensionalen Fön um uns rum und befönt uns von allen Seiten. Oder dass der Wärmevorhang eines Kaufhauses mit uns mitgegangen ist. (Für die, die diese Wärmevorhänge nicht kennen, das sind so Art Warmluftduschen von oben, wenn man größere Kaufhäuser betritt. Also in unseren Breitengraden zumindest, hier ist es umgekehrt). Hier ist die ganze Stadt eine Warmluftdusche. Dafür ist es in so ziemlich allen Gebäuden und auch Verkehrsmitteln wieder relativ frisch. Mit frisch meine ich Klimaanlagenbanause saukalt.

Im Hotel angekommen, Element Times Square West. Echt empfehlenswert, aber nur bis zu einem fußläufig bzw. treppenläufig erreichbaren Stockwerk. Weil die Aufzüge da nämlich eine Katastrophe sind, das heißt, bis der mal kommt, hat man einen langen Bart, auch als Frau.
Aber wir waren im treppenläufig erreichbaren Stockwerk und ich fand das Zimmer ganz schön gut. Vor allem das Bett. Bis jetzt war ich ja ein Boxspringbetten- Verweigerer, weil ich den Namen so blöd fand/ finde. Box-spring-Bett. Bin ich ein Kasperl an einer Sprungfeder, der aus einer Schachtel raushupft? Pf. Aber die Dinger sind so dermaßen bequem, das habe ich auch im schäbigsten Motel bemerkt, dass ich halt einfach Kingsize-bzw. Queensizebett dazu sage. Aber das Hotel ist empfehlenswert.
Nur das mit der Umwelt haben die US and A-ler noch nicht so ganz im Griff. Unser Hotel bezeichnete sich als „Green Hotel“, weil es dem Gast frei steht, sein Handtuch mehrmals zu benutzen und sich dann die Umwelt freut. Die ist aber leider beschäftigt damit, sich die grünen Haare zu raufen und fassungslos den Plastikmüll anzustarren, der bei jedem Frühstück anfällt. Keramikgeschirr und wiederverwandbares Besteck? Fehlanzeige.
Pappbecher, Plastikbecher, Pappteller, Plastikbesteck und die kleinsten einzeln verpackten Butterportionen, die ich jemals gesehen habe. Ich meine macht schon Sinn, wenn sich eine Ameise ein Butterbrot schmieren will. Aber als Mensch brauchst mal locker ein paar davon. Ich habe den Berg aus Müll, den zwei Leute verfrühstücken nicht fotografiert. Leider. Next time. Aber ich werde das Hotel mal anschreiben, dass das Green Concept da nicht so ganz aufgeht.

So und nun zu New York selbst. Mr. Blood hat mich gleich durch die Gegend gescheucht, Times Square Viertel, das Malle von New York. Hundertausend Leute auf einem Bürgersteig und es stinkt nach Pisse.

Hier schauts aus, mein lieber Schwan, da muss mal wer mit einem Putzfimmel kommen und die Stadt aufräumen, alles liegt hier rum, Dreck an allen Ecken und Enden. Oki, ich bin jetzt nicht so eine Sauberfrau, von daher stört es mich nicht so, aber ein Unterhosenzusammenleger würde bestimmt sofort anfangen, mit Besen und Schaufel die Straßen zu kehren.
Als wir uns so durch die Massen kämpften und es von überall her gestunken hat und laut und voll und chaotisch war, hab ich mir erstmal gedacht, dass ich New York nicht leiden kann. Bis wir plötzlich vorm Rockefeller Center standen. Die Architektur hat mich völlig geflasht und allein der Spruch über dem Eingangsbereich: „WISDOM AND KNOWLEDGE SHALL BE THE STABILITY OF THY TIMES“ hat mich so dermaßen begeistert, dass das Chaos von ein paar hundert Metern weiter vorne schnell vergessen war.

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Wir sind zufällig in eine Führung geraten und der Guide, ein Marc (wenn Ihr mal da seid, bucht eine Tour bei ihm), war so mitreissend, dass ich Augen und Ohren aufgerissen habe und erfahren habe, dass Frida Kahlo und Diego Rivera hier ihr wunderbares Gemälde in den Eingangsbereich gemalt haben, das dann aber aus Gründen der Uneinigkeit zwischen Diego und dem Herrn Rockefeller bezüglich einiger abgebildeter Personen abgekloppt wurde. Schade.
Aber sieht jetzt auch nicht schlecht aus.

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Abends waren wir dann noch in einem Restaurant Burger essen, war gut. Und danach aber sofort ab ins Kingsizebett. Von Jetlag aber keine Spur. Ich bin noch nie so lange geflogen, von daher halte ich den Jetlag für ein Angeberunwohlsein (diese Einstellung habe ich knapp zwei Wochen später aber sofort revidiert. Uah!)

Aber soviel zu den visuellen Eindrücken. Die Sinne:
Das Ohr sagt: ist laut hier. Echt wahr, viel Lärm, Straßenlärm und Leutelärm.
Die Augen sagen: Ha, der Aufzug ist gleich da, nur noch drei Stockwerke, hä, warum springt der jetzt wieder nach oben, Moment, ah wieder nach unten, nein wieder nach oben.
Der Mund sagt: lecker hier, bis auf das Leitungswasser, so gechlort, dass man auch aus dem Schwimmbecken trinken könnte. Aber mit Eiswürfeln. Alles.
Die Nase sagt: uah, hier stinkts echt nach Pisse, an jeder Straßenecke. Und Müll (es lagen gerade die Mülltüten draussen, ist wohl Müllabfuhrtag morgen) und bei 30 Grad und geföhnter Luftfeuchtigkeit stinkt es halt. Als versöhnliche Geste habe ich meine Nase (mein Geruchssinn ist kurz vor Drogenspürhundniveau, was Fluch und Segen zugleich ist und nachdem der Fluch in Form von Müll und Gepieseltem daherkam, muss es danach zum Ausgleich echt der Segen sein) versprochen, morgen zum Ausgleich in ein paar Parfümerien zu gehen.
Der Tastsinn sagt: Uah, ich fühl mich so klebrig, hatte echt das Bedürfnis, mir die Stadt abends abzuwaschen. Was aber auch am Burger liegen könnte, elegant Burgeressen glaub ich schafft keiner. Nicht?

Gute Nacht, Eure Queen im Kingsizebed, die ihrem King gleich in die Achselhöhle schnarcht.

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