Camelboobs im Hallenbad

Nein, Ihr habt Euch nicht verlesen, verehrte Leserschaft. Die schnöden Camelboots waren gestern. Die Dame von heute trägt jetzt Camelb-o-o-b-s. Zumindest in Franken. Zumindest vor ein paar Monaten, als ich mit meiner Mama im Hallenbad war.

Wir zwei ohne Camelboobs, klar. Da wusste ich ja noch gar nicht, dass es sowas gibt. Ich wurde eines besseren belehrt. In der Damentoilette. Aus der ein Riesengebrüll kam. Von einer Dame, so um die 70, die mit ihren anderen Seniorendamen schwimmen war. Der Wortlaut: „Ja spinnts Ihr. Wie könnts Ihr mich so rumlaufen lassen. Warum hat keine etwas gesagt? Hä? Den ganzen Tag lauf ich schon so rum.“ Hab sie natürlich gleich angeglotzt und mir gedacht „Naja, so schlimm isses jetzt nicht, ein bisschen uiuiui gewagt, das Dekolleté, aber sonst fällt mir jetzt nichts weiter auf.“
Das ging nämlich schon ganz schön weit runter, so bis 10 cm vor dem Bauchnabel, aber gut, jedem seins, ich hab ja Verständnis für modische Extravaganzen, schließlich war ich dadurch meinen Eltern sehr lange sehr peinlich. So ein Riesendekolleté ab einem gewissen Alter ist zwar eher ungewöhlich, aber wieso nicht. Lady Gaga oder Madonna würden das bestimmt auch so machen.
Dann hat sich die Dame umgedreht, immer noch brüllend. Das war dann der Moment, in dem ich in mein Badehandtuch gebrüllt habe, vor Lachen. Weil was vorne nämlich zu wenig an Stoff war, war hinten zu viel.
Ich weiß ja nicht, inwieweit Ihr Euch mit Badeanzügen auskennt, aber ab einem gewissen Alter tragen die Damen ihre Bademode mit vorgeformten Cups, weil das Volumen halt nicht mehr nach vorne, sondern eher in die Länge geht. Um ein pralles Dekolleté vorzutäuschen, wird die vorhandene Masse in das feste Körbchen gestopft. Wenn man allerdings versehentlich wohl irgendwie seinen Badeanzug falsch rum anzieht und mit einem Bündel falscher Badefreundinnen unterwegs ist, dann hat man diese festen doch ziemlich weit abstehenden vorgeformten Cups eben auf seinem Rücken herumstehen. Was ganz schön lustig aussieht. Haha, ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke.
Wenn man jetzt einen kamelfarbenen Badeanzug hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass Kinder auf einem gerne eine Runde durch das Hallenbad reiten möchten und man einen großen Eimer Wasser hingestellt bekommt, nachdem die anwesenden Badetouristen noch ein authentisches tunesisches Foto-mit-Kamel-in-einem-fränkischen-Hallenbad gemacht haben. Den Vorschlag habe ich mir dann aber doch verkniffen und es vorgezogen, immer noch in mein Handtuch brüllend, die Damentoilette zügig zu verlassen, bevor ich einen Tritt bekomme. Soll nämlich ganz schön wehtun.

Ich weiß jetzt nicht, wie gut Kamele schwimmen können, an diesem Tag habe ich allerdings im Schwimmerbecken keins mehr gesehen. Aber aus der Damentoilette schimpfen hören.

Euer Frollein ohne Camelboots und Camelboobs, das im Alter ganz bestimmt auf die richtige Badeanzugsrichtung achten wird und in der Zwischenzeit noch ins Handtuch lacht 😉

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