Nicht Massenveranstaltungskompatibel

bin ich. Habe ich gestern bemerkt. Auf dem Massive Attack Konzert. Eigentlich schon vorher, aber gestern habe ich es mir eingestanden.
Und überlege, wann es denn angefangen hat. Gabs einen Auslöser oder ist es einfach nur so ein Ding, das mit dem Älterwerden auftaucht?
Weil früher konnte es mir  nicht quirlig genug sein, ich weiß noch, dass ich meinen Eltern stinkebeleidigt war, als sie mich auf dem Anti-WAA-Festival 1986 mit 100.000 Besuchern haben ausrufen lassen, weil ich nicht mehr zum stündlich vereinbarten Treffpunkt erschienen war. Derweil war ich bei den Toten Hosen im Zelt und habe Äpfel ge- und die Zeit vergessen, nachdem ich mich vorher mit Hurra durch die Festivalmenge gewühlt hatte. Die Musik war mir damals noch ziemlich wurst.
Und dann das, gestern. Stehplatz. Viele Leute, viel Gewühle. Und immer einen, der besonders nervt, das ist mir schon im Kino öfter aufgefallen. Es gibt immer einen oder eine, der/die besonders laut Tacos frisst, im Popcorneimer rumwühlt wie ein Muppet auf Speed, dauernd den Film kommentiert, komisch müffelt oder alle paar Minuten sein Handy checkt. Hat mich das früher nicht genervt? Gestern wars ein großer Dauerkauer mit Anorak, der es nicht gemerkt hat, dass er mich alle paar Tanzwackler (und er hat oft tanzgewackelt) mit seinem Anorakarm berührt hat. Nicht absichtlich, das war klar. Aber schieb mal im Gedränge jemanden permanent auf die Seite. Auch hatte er so eine wirklich nervige Präsenz, die mit Sinneseindrücken nicht so gut zu beschreiben ist.
Wisst Ihr, was ich meine?
Ich habe den Eindruck, dass sich nach meinem Unfall meine Sinnesorgane verschärft haben, der Seh-, Geschmacks- und Tastsinn sind gleichgeblieben, dafür haben sich der Hör-und der Geruchssinn doppelt verschärft. Auch habe ich den Eindruck, als ob mir tausend kleine Antennen gewachsen sind, die alles mögliche in meiner unmittelbaren Umgebung registrieren. Das finde ich echt sehr stressig. Klar, es hat alles Vor-und Nachteile, aber eine durchschnittliche Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln kann schnell mal wirklich nervig werden. Vor allem im Winter (Geschniefe), aber auch im Sommer (Gemüffel). Mit einem „konzentrier Dich auf was anderes“ oder „hab Dich nicht so“ ist es leider nicht getan. Ich hab mich so. Punkt. Und mich auf was anderes zu konzentrieren fällt mir bei aller Anstrengung auch schwer.
Es ist, als ob ich das Gras wachsen höre. Und rieche. Und den Wachstumsprozess wahrnehme. Nervig das. Wirklich.
Der Vorteil daran ist, dass ich in einer Parfümerie viele viele Parfums hintereinander riechen kann, ohne auch nur ansatzweise „nasenblind“ zu werden oder im geruchlichen Einheitsbrei abzustumpfen. Von den Antennen her:  dass ich einen Menschen sehr gut wahrnehmen kann.
Nicht mehr so wie früher, dass man jemanden sieht und aufgrund seiner Erscheinung der Kopf aktiv wird und die Schubladen aufgehen, weil man vor Jahren schon mal einen getroffen hat, der so ähnlich ausgesehen hat und der sich als so und so herausgestellt hat. Das läuft jetzt anders. Ich weiß zum Teil von Weitem schon, mit wem ich es zu tun habe, auch wenn die Fassade noch so gut aufgebaut ist. Nur, was macht man damit? Zum FBI gehen, als „Nase“ in Grasse anheuern?
Für Konzerte ist es auf jeden Fall kontraproduktiv. Für volle Kinosäle auch, für öffentliche Verkehrsmittel ebenfalls.
Ich glaube, ich muss Queen oder Ähnliches werden, um mir ein eigenes Kino zu leisten und Bands mal eben zu mir nach Hause einzuladen. Dann hat sich was mit Gedränge und Schniefen.

Mich würde interessieren, ob es noch jemandem von Euch so geht, ob das auch einen Auslöser hatte oder mit der Zeit so war und was Ihr für Tricks parat habt.

Vielen Dank, Euer Frollein Naseweis und Ohropax, das Einigeln auch für keine optimale Lösung hält.