Süddeutsche Sprachbarrieren

Wer jetzt von Euch Preissn denkt, dass unterhalb von Frankfurt eh alles gleich klingt, dem muss ich ein entschiedenes „Nenene, so ganz einfach ist das nicht“ antworten.
Der Bajuware scheitert manchmal am Schwaben. Hin und wieder hat ein Wort nämlich eine ganz andere Bedeutung und kann leicht zu peinlichen Mißverständnissen beim Nachbarschaftsratsch auf dem Hausflur führen. So wie damals.
Während meiner Studienzeit habe ich in einem Haus gewohnt, in dem viele Einzimmerappartements waren. Eines davon war das „Arbeitszimmer“ einer Domina aus dem Schwabenländle im Erdgeschoß.
Das weiß ich, weil sich einmal ein Gast der Dame, die wirklich supernett und meist in Unterwäsche mit Negligé darüber im Haus unterwegs war, vor meine Zimmertür verirrt hat.
Ich muss dazusagen, dass ich damals spaßeshalber ein Schild aus dem EMP-Katalog an meine Eingangstüre gepappt hatte, auf dem „Hinknien, anklopfen und um Audienz betteln“ stand.
Da hab ich schon ein bisschen blöd geschaut, als ich irgendwan mal heimkommen bin und ein Männlein komplett in Leder gekleidet vor meiner Tür gewartet und artig gefragt hat: „Ähm, hier wohnt doch eine Dame, die massiert und so…“ Und so… soso. Da ich ja wußte, wen er meint, habe ich ihn gleich mit der Reitgerte ins Erdgeschoss gepatscht (nein, natürlich nicht).
Ein paar Tage später hatte ich wie so oft meinen Treppenhausratsch mit der Hausdomina. Im Laufe des Gespräches fragt mich das schwäbische Arschversohl-Wunder: „und, was schaffst Du so?“, woraufhin ich dann ganz entrüstet geantwortet habe: „Ich schaffe gar nicht an, ich studiere!“ Was wiederum zu Irritationen seitens der Erdgeschossgebieterin geführt hat, weil sie lediglich wissen wollte, was ich denn so arbeite.
Also wirklich, woher hätte ich denn wissen sollen, dass die Schwaben „schaffen“ statt arbeiten. Im Nachhinein logisch, weil nicht alle Häuslebäuer ihr Hausbaugeld mit Popoklatschen und Horizontaldienstleistungen verdienen. Sonst hieße es ja „Anschaffe, anschaffe, Häusle baue“
Diesen kleinen feinen wortwörtlichen Unterschied habe ich also im Treppenhaus gelernt. Jetzt weiß ich es und wenn mich ein Schwabe fragt, was ich denn so schaffe, haue ich ihm auch nicht gleich entrüstet eine runter.
Ich sags ja, die wichtigen Dinge des Lebens lernt man selten in der Schule, sondern im Treppenhaus.

Euer Frollein mit den mißverständlichen Türschildern, das auch ganz gut zwischen Swing und Swinger unterscheiden kann (das kann auch nicht jeder)