Die Übergangsfrisur des Lebens – in die Disco gehen

Discobesuche in der Midlifecrisis, das hat jetzt seine Vor-und Nachteile.
Der Vorteil ist, dass man seine Rückengymnastik prima auf der Tanzfläche zusammen mit anderen Tanzenden im gleichen Alter unbemerkt abhampeln kann (wenn man auf einer 80er- Party ist) oder aber – der Nachteil – dass man sich heulend im Discoklo einsperrt, weil der Türsteher einen freundlich ohne Eintritt kassieren zu wollen hineingelassen hat, weil er davon ausgegangen ist, dass man nur kurz sein tanzendes Kind von der Tanzfläche zerren will, weil es den Abholtermin verpeilt hat.  (wenn man in einer „normalen“ Disco ist. Wobei, Disco sagen nur mehr alte Leute, jetzt ist das ja ein Club. Das ist wie, wenn ein alter Mensch damals zu mir gesagt hat „gehst Du auf eine Fete?“ und ich mir gedacht habe „Fete? Alte Fledermaus, das heißt Party. Fete, ts ;)“)
Ich übertreibe  natürlich. 😉
Aber was mir wirklich aufgefallen ist, ist, dass man wenn man bis zum letzten Lied durchtanzt und zur Vogelsingzeit bei Sonnenaufgang durchgetanzt ins Bett fällt, am nächsten Tag nicht mehr so ganz fit ist und irgendwie den ganzen Tag rumhängt, auch ohne Kater. Und den Tag darauf auch noch. Ich habs ja nicht zugegeben gell, erst als Mr. Blood mal gemeint hat, dass ihm die Regenerationsphase irgendwie ein bisschen länger vorkommt als früher, habe ich wissend genickt und mich wieder auf die andere Seite gerollt, um weiterzuschlafen. Nachmittags.

Auch die Häufigkeit der Discobesuche hat mit den Jahren abgenommen. Früher bin ich nicht in die Disco gegangen – ich war die Disco. Mittwoch, Freitag und Samstag.
Dazu muss ich sagen, dass es von dieser fast schon zweiten Heimat zwischen 18-31 sogar ein Video gibt mit dem Titel „Wie das Happy Rock Jahrhunderte überdauert“ – ich fühle mich bei diesem Titel irgendwie alt.
Aber legendär mein lieber Schwan. In dieser Disco schoss die Chefin auf jeden Fall noch selbst, da waren nämlich immer ziemlich viele Raufereien, einmal habe ich auch mitgemacht, als einer der Gäste seine Hand nicht bei sich behalten konnte. Dann hatte er halt meine geballt auf der 12. Wirksam. Aber geschossen hat die Müllerin (Frau Müller, die Chefin) deshalb natürlich nicht.
Aber bei größeren Raufereien. Dann hats geknallt, entweder Schreckschuss oder Tränengas. Bei letzterem war der Satz „bis einer heult“ wörtlich zu nehmen. Nur nicht einer, sondern alle.

Und ich kann mich  noch gut daran erinnern, dass ein Besucher beim Verlassen eines Raumes plötzlich kotzen musste und versucht hat, das Malheur noch mit vorgehaltener Hand aufzuhalten. Das Resultat war, dass er im Strahl gekotzt hat, nur fünffach verteilt. Ich habe reflexartig einen vor mir stehenden verkotterten Punk vor mich gezogen, um nicht angekotzt zu werden. Auch wirksam.

Weniger spektakulär war meine Flucht aus der Klokabine, weil plötzlich ein Riesenvieh von Spinne auf mich zugerannt kam und ich dann mit gerafften Gruftiröcken fluchend in eine andere Kabine gesprungen bin.

Aber hey, es war einfach eine so geile Zeit da drin, dass ich glaube ich in diesen Jahren mein komplettes Discokontingent verfeiert habe.
Wer mal einen Blick auf die Legende Frau Müller und die Disco überhaupt werfen will:

Manchmal treibt es mich noch raus, in eine Disco, aber ich hab mich auch schon dabei ertappt, dass ich mir gedacht habe „so laut hier“. Das wenn mir jemand damals mal gesagt hätte 😉

Und der Grund, warum wir nicht mehr oft in Gruftidiscos hier gegangen sind, war, dass sich da irgendwie ein neuer Musiktrend eingeschlichen hat, bei dem alle mit Knicklichtern rumgefuchtelt haben und Gartenschläche auf dem Kopf hatten. Also nix gegen Knicklichter und Gartenschläuche, aber ich fand die Musik schlecht. Und hatte den Eindruck, dass vorher noch verschiedene Blöcke gespielt wurden, was für die Mittelalterfreaks, für die Industrialisten, für die Fähnlein Fieselschweifs und für die EMB-Stampfer, wo jeder seine Musik zum Tanzen gespielt bekommen hat.  Irgendwann war nur noch Knicklichtmusik und da hatten wir irgendwie keinen Bock mehr, weil wir ja tanzen wollten. Es gibt zwar noch ein paar gute  Abende, ich nenns mal Grufi Ü 30 Musik, wo wir alle wieder 20 werden ;). Aber die Abende sind leider selten.

Wie ist es bei Euch eigentlich? Treibt Ihr Euch noch oft in Discos rum? Und wenn ja, wie geht es Euch die Tage danach? 😉

Euer Frollein Tanzbein, das das Nachtleben aber so was von rege genutzt hat, dass es ok ist, die Rückengymnastik halt jetzt ab und zu mal in einen Club zu verlegen