Ein Springbock im Bett

und das ist nicht Mr. Blood, Ihr alten Ferkel! Ich hab ja ganz lange damit angegeben, was ich für einen wunderbaren Langschläferkater habe, der gerne auch mal bis Mittags pennt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Katze meiner Eltern z.B. war es gewohnt, zusammen mit meinem Vater um halb sechs aufzustehen, um dann gemeinsam zu frühstücken. Aber ein Katzenmagen kennt im Gegensatz zu einem Menschenmagen kein Wochenende und so stand die haarige Madame auch am Wochenende um halb sechs neben dem Herrn Papa und hat ihn so lange angeplärrt, bis es dann eben Frühstück gab.

Das macht meiner nicht. Der plärrt gar nicht rum, sondern steht mit mir auf, egal wann, und dann gibts halt Thunfisch (er) und Marmeladensemmeln (der Mr. und ich). Und zwar ausgeschlafen. Alle.

Zumindest bis vor kurzem. Und ich vermute, dass es meinem Pelztier um meine Erziehung geht.
Wie wir ja alle wissen, sind Katzen die größten Penntüten nach den Faultieren. Bis zu 20 Stunden können sie schlafen. Und sehen dabei so unverschämt süss aus.
Da kann ich nicht anders und muss, wenn die Fellkugel auf der Couch pennt, immer wieder mal hin und mein Gesicht in den dicken Katerbauch drücken.
Es gibt drei Reaktionen: – er schmeißt den Schnurrmotor an und sich in meine Hände.
– Er lässt es über sich ergehen bis er irgendwann durch einen genervten Schnaufer (echt jetzt, wie ein genervter Verkäufer, denn man fünfzig Mal dasselbe frägt) die Optik seines Katzengesichters verändert und vorne um die Schnauze rum viereckig wird (ebenfalls echt jetzt, wenn der Kater vorne quadratisch wird, merk ich, dass er sauer ist).
– er schaut mich an, als ob ich bekloppt wäre, hüpft von der Couch und legt sich woanders hin.

Ich habe irgendwie den Eindruck, dass er mir mit seinen kürzlich erworbenen Nachtallüren demonstieren will, wie nervig es sein kann, im Schönheitsschlaf von einer nervigen Flauschattacke geweckt zu werden. Wie das aussieht? Folgendes:

Ich schlafe. Auf einmal rumpelt etwas ins Bett. Kein eleganter leiser Katzensprung, es erinnert eher an eine Arschbombe vom 10-Meter Brett. Begleitet von einem gebrüllten „Servus- I bims, dein Katz“. Anschließend latscht er mit der Intensität einer Thaimasseurin von meinen Füßen quer hoch über mich drüber, bis er an meinem Kopf angelangt ist. Bleibt auf meinem Hals stehen und trompetet, wie fad es ihm wohl gerade ist. Dann läuft er um meinen Kopf rum und singt dabei irgendein Katzenmetal- Lied, schmeisst den Schnurrapparat an und sich neben mich. Ich bin wach. Der Kater schläft jetzt.

So geht das jetzt eine gewisse Zeitlang schon. Manchmal je nach Grad der Langeweile oder Erziehungsbereitschaft ein paar Mal pro Nacht. Aber ganz ehrlich: ich kann ich ihm nicht böse sein, es nervt mich nicht mal. Eigentlich muss ich eher immer lachen. Und mach halt am nächsten Tag, wenn er auf der Couch liegt, eine Arschbombe vom 10 Meter Brett, erzähle ihm mit quietschiger Babysprache wie fad es mir wohl gerade ist, singe dabei ein Menschenmetal-Lied, kraule ihm den Kopf und lege mich neben ihn. Ich bin wach, der Kater auch und wird viereckig, schnurrt oder legt sich woanders hin.

Inzwischen wird er schon gemerkt haben, dass seine Menschenerziehungsmaßnahme nichts nutzt. Vielleicht macht es ihm aber auch einfach Spaß. Naja, da sind wir schon zu zweit. Mr. Blood grunzt einfach nur, wenn das Spitzohr zur Abwechslung mal auf ihm herumhüpft und schläft weiter. Da er ihn aber auch tagsüber schlafen lässt, kommt der schnurrhaarige Springbock auch selten auf seine Seite des Bettes gehüpft. Daher meine Vermutung der nächtlichen Lehrstunde der kurzen Schlaflosigkeit.

Aber ich bin eine restistente Schülerin und das Spitzohr ein hartnäckiger Lehrer, von daher geht das wohl noch eine Zeitlang so. Ich finds ok und leg mich jetzt mal kurz hin.

Euer Frollein, das ihren Schlaf trotz eines katzenmetalsingenden Thaimassagekaters genießen kann