Die Welt in der wir leben

so und jetzt kommt garantiert kein Gejammer, wie schlimm und greislich doch alles gerade ist, alle blöd und nix derf ma und es ist sowieso zu heiß etc. etc.

Nein, hier kommt ein Blick über den Tellerrand meiner eigenen Welt, bzw. meiner eigenen Blase und damit meine ich nicht die uringefüllte. Mr. Blood und ich haben vor Kurzem über die Welt philospohiert und auch darüber, dass jeder, auch bedingt durch die digitale Vernetzung, in seiner eigenen Welt lebt, in seiner eigenen Blase, gefüllt mit Informationen und Aussagen vornehmlich Gleichgesinnter, die genauso ticken wie man selbst.
Dank Internet ist es ziemlich einfach, innerhalb von ein paar Klicks Kontakte zu Gleichgesinnten sämtlicher Stil-und Lebensrichtungen zu finden, sowie auch zu breiten Informationen über jene Richtungen in diversen Formen und Farben: Podcasts, Blogs, Videos, Fotos, Gruppen etc. Fluch und Segen zugleich.
Segen weil es nie so einfach war, sich mit anderen auszutauschen, die genauso komisch sind wie man selbst und sich nicht schämen muss, weil man merkt, dass man nicht der einzige Nerd auf dem Planeten ist und Fluch: bedingt durch das Suhlen im Brei der eigenen Lieblingsgeschmacksrichtung beginnt die geistige Verfettung, weil man so tief im Eigeninteressenbrei mit anderen Lieblingsgeschmacksrichtungsbevorzugern wühlt, dass man sowohl den Tellerrand als auch die Welt jenseits des Tellerandes schlicht und einfach vergisst, weil man denkt „So ist die Welt, der Hugo aus Kambodscha denkt genauso und die Kelly aus Kalifornien empfindet das ebenso, sogar der Tingtong vom Arsch der Welt in Taiwan hat Belege dafür gelesen und das Youtube- Institut bestätigt das“.
Und zack, denkste Du bist ein Kosmopolit,  weil Du Dich ja nicht nur mit ein paar gleichkulturellen Freunden aus der bajuwarischen Nachbarschaft am Jägerzaun austauschst.

Isso. Da hockst in Deiner Blase, fühlst Dich virtuell und bestenfalls auch mit einer handvoll ausgesuchten Freunden im echten Leben in Deinen Ansichten bestätigt, bist achtsam, spirituell und an Persönlichkeitsentwicklung interessiert (meine Blase) und zong: gehst auf die Straße und siehst, dass irgendein Arsch achtlos eine Kippenschachtel auf den Boden schmeisst, obwohl 1 m daneben der Mülleimer steht. Ein paar Meter weiter plärrt eine Gruppe Assikids per facetime in ihre Handys , so dass sie eigentlich keine Handys bräuchten, weil man sie auch so noch bis München hört und warum man jetzt geschälte Mandarinen in einer Plastikkugel verkauft ist Dir ebenfalls ein Rätsel, das Du nicht verstehst. Das nennt man aus der Blase fallen, weil man dachte, dass doch mittlerweile alle Leute achtsamer geworden sind und doch alle so denken und handeln wie Du. Weit gefehlt. In Deiner Blase schon. Und der müllwegschmeissende Assi fällt dann aus seiner Blase, weil er von Dir einen Tritt in die Eier bekommt.

So weit dazu. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, in eine andere Blase einzutauchen.
Die der Kinder-und Häuslebesitzer. Für mich eine absolut fremde Welt und auch eine, in der ich mich so nicht bewegen würde, weil es keinerlei Anknüpfungspunkte gibt.

Und dann hockst plötzlich mitten in einer Gruppe von Kindern- und Eigenheimbesitzern. Die Gespräche hätten auch in einer anderen Sprache stattfinden können, weil es um Themen ging, zu denen ich beim Besten Willen nichsts beitragen konnte. Kurz vorm Fluchtreflex, der etwa 10 Minuten nach dem geistigen Abschalten in Kombination mit Punktstarren einsetzt, wurds aber dann doch noch interessant:
nämlich dann, wenn die Blasenrelevanten Themen alle durchgequatscht sind und man merkt, dass sich hinter Parkettauswahlproblemen im Baumarkt und Kinderkackekonsistenz nun doch Menschen verbergen, die einen gewissen Wortwitz, lustige Anekdoten oder auch mitzufühlende Kümmernisse haben, Leute, die sehr liebevoll ihren Nachwüchsen die Welt erklären, sprudelnde Ideen haben, Blickwinkel aufweisen, die man selbst noch nicht eingenommen hat und ganz einfach wirklich coole Menschen sind.

Passiert das, wenn jeder seine eigene Blase verlässt und man sich aufs Sitzen und Ratschen in einer „Gemeinschaftsblase“ einlässt, in der der Brei purer Menschlichkeit mit allen Höhen und Tiefen serviert wird und man Geschmacksrichtungen probieren kann, die man einfach nicht kennt oder die man nie auf dem Schirm hatte oder einen sogar normalerweise nicht interessieren? Interessant wirds nämlich immer, wenns ums Menschliche dahinter geht. Da findet man dann die Gemeinsamkeiten, nicht unbedingt in den Themen, sondern im So-sein wie man halt ist.
Das war ein wirklich cooler Abend und ich habe beschlossen, nun ab und zu mal Urlaub in anderen Blasen zu machen.

Wenn man grad eh nicht richtig in Urlaub fahren kann, bietet sich das doch geradezu an. Vielleicht sogar mal ganz schräge Sachen wie Fußballbierdimpfl, Hasenzuchtvereine, Raketenwissenschaflter, Immobilienhaie und Gurkenzüchter.

Nur die Blase der Müllrumschmeisser, da mal reinzuschauen wär keine so gute Idee, da würd ich nämlich ganz schön aufräumen und polieren, aber keine Vasen.

Bin gespannt wie es bei Euch so aussieht, in welchen Blasen ihr so zuhause seid und ob es Euch bewusst ist. Schreibt mir doch eine Ansichtskarte, vielleicht komm ich Euch besuchen.

Euer Frollein, dessen nächste Urlaube wohl nicht im Reisebüro buchbar sind