Affektinkontinenz an der Rezeption



Long time no read, liebe Leserschaft. Aber jetzt bin ich ja da. Ganz einfach, weil ich es Euch einfach nicht vorenthalten kann, oder will. Weil…es muss einfach raus, das Kuriosenkabinett, die Perlen unter den Gästen.

Wie einige von Euch vielleicht wissen, arbeite ich an einer Hotelrezeption. Weil ich es gerne, mache, weil es mir Spaß macht und ich gerne mit Menschen zu tun habe. Immer noch. Aber nicht mit allen.
Es kann schon sein, dass ich nach erfolgreich überstandener Midlifecrisis (uh uh) ein wenig altersmilde geworden bin oder einfach nur mehr Verständnis dafür habe, dass diese ganze Coronasache einigen Mitmenschen sehr zugesetzt hat und sie sich aus dem Grunde seltsamer verhalten als vorher. Daher habe ich lange nichts über meine Erfahrungen im Hotel geschrieben.
Aber auch seltsames Verhalten hat seine Grenzen und was ich bemerkt habe ist, dass seit ein paar Monaten die Zündschnur der Menschen um einiges kürzer geworden ist und schnell gerne mal Dampf abgelassen wird, meist wegen Belanglosigkeiten, und die Art und Weise, wie das geschieht zum Teil einfach nicht in Ordnung ist.

An vorderster Rezeptionsfront bekommt man das oft ab. Ich habe die Tendenz, Dinge nicht schnell persönlich zu nehmen.Wenn einer schlecht drauf ist, gehe ich davon aus, dass er einen Scheißtag hatte, oder ein Scheißleben hat, oder einfach ein Arschloch ist. Alles seins, nicht meins, von daher meist schnell Schwamm drüber. Wir haben zu 90% auch wirklich nette Gäste, von daher schienen mir die 10% wirklich unnetten Gäste nie wirklich der Rede bzw. des Blogschreibens wert. Aber wie gesagt… seit ein paar Monaten ist die Zündschnur in Kombination mit der Frustrationstoleranz wohl kürzer. Und am Besten verarbeitet man die Kotbällchen unter den Gästeperlen wohl mit Humor.

Gestern war mal wieder so ein Kackbatzen da. An der Rezeption. Wie allgemein bekannt herrscht in der Beherbergungsbranche seit Wochen 3 G. Und das ist kein lahmes Mobilfunknetz oder ein alter Heinz Erhardt Sketch „Gerade Gewürzgurke Gegessen“, sondern eine Eincheckgarantie unter drei Voraussetzungen: „Geimpft- Getestet-Genesen“. Genauer gesagt: abgeschlossene Zweitimpfung bzw. Einmalimpfung mit Johnson & Johnson, die länger als 14 Tage her ist, ein Negativer PCR- oder Schnelltest oder ein Genesungsattest vom Hausarzt. Tadaa! Nix Neues also. Für den netten Herrn gestern schon.
Hat reserviert, wollte einchecken.
Habe ihn nach den 3 Gs gefragt. Antwort „Seit wann das denn?“ Hey, seit gefühlt 1000 Jahren??
gefolgt von einem „Also da stand nichts davon auf der HRS- Seite!!“ Äh doch, gleich ganz oben.
Und einem „Das habe ich bis jetzt noch nirgends gebraucht!“ Mhm, wenn man das letzte Mal vor 2 Jahren verreist ist, ist das wohl auch so. Nicht mal gelogen.
Ganz Profi habe ich ihm erklärt, dass das leider nun mal die bekackten Regeln sind.
Vorschlag vom Gästeschlaumeier „Dann mache ich jetzt auf meinem Zimmer einen Selbsttest und bringe ihnen das Ergebnis runter.“ Nochmal: welcher Part von „Einchecken erst nach Vorlage eines negativen Tests“ ist noch nicht ganz angekommen?
Habe ihm gesagt, dass Computer says no und er bitte vorab in das Testzentrum ums Eck gehen soll, um dort einen Schnelltest vornehmen zu lassen und nach dem Erhalt des Ergebnisses kann er gerne einchecken.

Da wurde der 3G- Neuling aber böse und hat als Demonstration seines Unwillens gleich seine Maske vom Gesicht gerissen. Gut, das beeindruckt mich jetzt nicht, habe ihm nur gesagt, dass er bitte seine Maske wieder aufsetzen soll. „Nein, mir ist jetzt heiß“. Woraufhin ich meinte „Nein, das ist mir wurst, Maske auf.“
Und wiederholt wie für einen kleinen Doofie, dass er nach einem Negativtest im Testzentrum um die Ecke gerne einchecken darf.
Woraufhin das Männlein zeterte, dass es darauf keine Lust hätte und die Buchung stornieren will.
Sich saudumm benehmende Reisende soll man nicht aufhalten.
Mit nochmals demonstrativ heruntergerissener Maske ist er dann aus dem Hotel gestürmt, während ich beim Augenrollen aufpassen musste, dass sie mir nicht hinten aus dem Kopf wieder rausfallen.
Ich mein, was soll das. Ganz sicher läuft er heute noch mit seinem Rollkoffer und der Maske in der Hand durch die Stadt, weil kein Hotel bereit ist, ihn so aufzunehmen.

Ganz ehrlich. Ich hab die Schnauze voll, ich bin nicht die Mama, die ihren Kindern, die auf die Reise gehen, erklärt, auf was zu achten ist. Man könnte meinen, dass Reisen während einer Pandemie ein gewisses Maß an Eigeninitiative, was die Vorabinformation betrifft, beinhaltet. Dem ist nicht so. Also nicht bei jedem. Aber sich dann aufzuführen wie ein versohlter Arsch ist nochmal was ganz anderes.
Das passiert derzeit echt öfter und ich bin nicht mehr bereit, das kommentarlos hinzunehmen und habe mich von daher entschlossen, blödes Verhalten in meinem Blog zu verwursten.

Bei derartigem Verhalten bekomme ich echt Affektinkontinenz.
Vor Kurzem hatte ich eine schwäbische Müttermafia, die sich an der Rezeption aufgeführt hat wie ein Bär mit einem wunden Arsch, weil die gebuchten Zimmer nicht nebeneinander auf derselben Etage lagen. Dazu ein andermal. Ich merke, dass ich gerade so gar keinen Bock habe, derlei Fehlverhalten nochmal Revue passieren zu lassen. Ein Ausrutscher pro Blogeintrag reicht.

Euer Frollein Eve, das ganz und gar nicht bereit ist, sich den geballten Frust dummer Leute überzustülpen

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